Kettendurchhang richtig messen

Kette, Ritzel, Radkupplung

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Stormtalker

Kettendurchhang richtig messen

Post by Stormtalker » Sun 5. May 2013, 10:37

Hallo alle zusammen,

ich habe jetzt folgendes Problem - ich glaube meine Kette nähert sich bald ihrem zeitlich gesegneten Ende und ich kann das aber gerade noch nicht so genau abschätzen, wie ich das gern machen würde...

Nun bin ich mir beim Kettendurchhang immer unsicher, was ich denn da nun genau messen muss. Deshalb die Frage an euch:

Ist es richtig die Maschine aufzubocken, hinten durch wippen nach der straffsten Stelle zu suchen, dann den Zollstock in der näherungsweisen Mitte zwischen beiden Zahnrädern anzulegen, zu messen, wo die mitte des nietbolzens derzeit ist und dann die Kette einmal nach oben und dann einmal nach unten zu drücken (inkl. Messung natürlich)?

Im Netz steht, dass man dann das, was man nach oben drücken kann von dem, was man nach unten drücken kann abziehen soll....

Mein Problem:

Ich kann die Kette (alles wie oben beschrieben gemessen) 2,5cm nach oben, aber nur 0,5cm nach unten drücken (die Abbildungen im Netz stellen allerdings immer dar, dass es eigentlich genau umgekehrt sein müsste)...

Wenn ich meine Kette hinten vom Ritzel abzuziehen versuche löst sie sich eigentlich recht gleichmäßig ca. 1-2mm... und trotzdem habe ich das so viel beschriebene Kieselstein-klackern beim anfahren und allgemein ziemliches geklapper, sobald der Untergrund etwas unebener wird.

Ich hoffe hier kann einer meine recht wirre Fragestellung verstehen und mir ein klein wenig bei meinem Problem helfen. ;)
Danke schon einmal dafür.

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Re: Kettendurchhang richtig messen

Post by miele » Mon 6. May 2013, 20:51

Kettendurchhang und Verschleiß sind aber an dieser Stelle zwei verschieden Dinge.
Ist "nur" der Durchhang zu groß, kann man den durch Nachstellen beseitigen. Der von Dir beschrieben Wert ist an der untersten Grenze, sollte also nicht noch weiter gespannt werden.
Verschlissen ist die Kette, wenn sie über 20 Kettenglieder gemessen 323mm erreicht hat. Man kann es auch wie von Dir beschrieben, am Kettenrad in der Mitte der Umschlingung abziehen. Hier ist nach 4mm die Verschleißgrenze erreicht.
Ich merke den Verschleiß übrigens auch durch hässliches Konstantfahrruckeln bei niedrigen Geschwindigkeiten (Kommt bei mir regelmäßig vor, weil die Zufahrtstraße zur Garage auf 20km/h begrenzt ist).
Beim Wechseln immer Ritzel und Kettenrad mit wechseln.
Hätte Gott gewollt, dass Moppeds sauber sind, wär' Spüli im Regen...

Stormtalker

Re: Kettendurchhang richtig messen

Post by Stormtalker » Mon 6. May 2013, 21:31

Jup dieses Konstantfahrruckeln kann ich bei mir auch feststellen - war heute nochmal fix bei Louis und der meinte, dass es eigentlich noch gar nicht so schlimm aussieht... ich werde einfach nochmal über diese 20 Kettenglieder messen - mal schauen, was dort herauskommt...

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Re: Kettendurchhang richtig messen

Post by Vater Abraham » Tue 7. May 2013, 11:13

Dieses Konstantfahrruckeln kann aber auch von den Ruckdämpfer im Hinterrad kommen wenn er Spiel hat. Mein Tüvprüfer hat erst vor kurzem mich darauf hingewiesen das meiner bald fällig ist (habe ca. 55.000 km auf der Uhr).

Warum Kettendurchhang:
  • Dadurch das das vordere Ritzel nicht genau da sitzt wo die Schwinge ihren Umlenkpunkt hat, ändert sich die Länge zwischen Ritzel und Kettenblatt beim einfedern. Dieses Problem ist bei einer Heckhöherlegung noch schlimmer, daher wird hier mehr Spiel benötigt um sicher zu gehen das die Kette in keiner Position zu straff ist.
Was kann passieren bei zu wenig Spiel:
  • Beim einfedern wird die Kette straff und spannt, dies kann die Kette unnötig längen.
  • Das vordere Ritzel bekommt einseitigen Druck und schädigt das Lager dahinter welches dann kaputt geht. Austausch des Lager nur möglich bei Zerlegung des kompletten Motors. Viele Zeitstunden und dadurch teuer.
  • Im schlimmsten Fall kann die Kette reissen und euch dabei das Motorgehäuse und auch die Füße zerfetzen. Mir früher beim MotoCross mit einer KTM LC4 mal passiert (kleiner Konstruktionsfehler bei dem erstem LC4 Modell). Füße blieben heil, aber Motorgehäuse war hinüber.
Kettendurchhang richtig messen:
  • Einmalige arbeit: Federbein raus und dann die Schwinge bewegen (evt. reicht es auch die Umlenkhebel zu lösen). Jetzt kann man die Schwinge an der Position bringen wo die Kette am straffsten ist. Jetzt die Kette so spannen das an der straffsten Stelle die Kette noch nicht straff ist (spiel brauch sie in der Position nicht mehr haben). So ist sicher gestellt das in keiner Position die Kette zu straff ist.
    Federbein einbauen. Im aufgebockten Zustand jetzt das Spiel an der Ketten messen,merken und aufschreiben.
  • Alternative zum Federbeinausbau sich eine zweite (evt. dritte) Person holen. Feder auf schwächste Stufe stellen insbesondere die Vorspannung. Jetzt können die Helfer versuchen die Karre langsam bis zu Anschlag einzufedern und du kannst dann raus finden in welcher Position die Kette am straffsten ist. Weiteres vorgehen dann wie oben.

Weiteres:
  • Wenn die Kette ungleichmäßig gelängt ist, muss die straffste Stelle (am Hinterrad drehen) immer noch den richtigen Durchhang haben.
  • Dieser Kieselstein-klacker Effekt wird besser wenn man die Kette straffer macht. Sollte man aber nicht machen (s. bei "Was kann passieren"). Anstatt noch ein paar km aus der Kette raus zu holen lieber gleich einen neuen Kettensatz.
  • 2,5 cm sind zu wenig. Werksangabe ist 30-45mm. Und auch diese Werksangabe ist zu wenig. Bei mir sind's mind. 3,5 - 4 cm Spiel. Lieber zu viel Spiel als zu wenig und lieber öfters nachspannen (5 min. arbeit). Das die Kette bei zu viel Spiel über die Zähne rutsch ist mir noch nicht mal bei einem sehr stark abgenutzen Kettenblatt passiert (gute teure Enuma Kette mit billig NoName Kettenblatt -> Kettenblatt mehr als hinüber Kette OK -> umsonst das mehr Geld für die Enuma ausgegeben da immer alle drei Komponenten komplett wechseln)
  • Hat man einmalig das richtige Spiel eingestellt (s. Kettendurchhang richtig messen) muss man nicht zwangläufig die Mitte von der Schwinge nehmen und mit einem Zollstock rumhantieren. Man kann auch einen anderen Punkt von der Schwinge nehmen, an dem die Kette gerade mal so an der Schwinge stößt. Erleichtert das nachspannen, insbesondere wenn man es unterwegs mal machen muss

Gruß Steffen

PS. Ist die Kette stark ungleichmäßig gelängt (hier kann man unmöglich den richtigen Durchhang einstellen), Kieselstein-klacker Effekt, steife Glieder oder Zähneverlust -> neuer Kettensatz.
Das nachmessen der Kettenlänge über eine bestimmte Anzahl von Gliedern erspare ich mir. Gerade bei einer ungleich gelängten Kette müsste man dieses auch mehrmals machen.
Kette ungleichmäßig gelängt feststellen: Aufbocken mit einen Schraubendreher die Kette hoch drücken und Hinterrad drehen. Kette sollte überall gleich viel Spiel haben.
Lieber ´ne Schwester im Puff, als ´nen Bruder auf ´ner Honda

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